Wayne Shorter über Improvisation in der Musik und im Leben

Für den legendären Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter zählt nur die Gegenwart: „Wie es ist, im Moment zu sein, kannst du erleben, wenn du ein Instrument spielst oder einen Roman schreibst“

 

Für den legendären Jazz-Saxophonisten Wayne Shorter zählt nur die Gegenwart: „Wie es ist, im Moment zu sein, kannst du erleben, wenn du ein Instrument spielst oder einen Roman schreibst“, sagte Shorter dem ZEITmagazin. „Oder stell dir vor, du hast ein Date mit einer schönen Frau: Ihr fangt an zu reden, ohne Probe, ohne Manuskript. Wenn du aus deinem Inneren sprichst, aus dem sogenannten Herzen, bist du vollkommen im Moment.“

 

Der Grund, warum die Unterhaltung so angenehm gewesen sei, liege vielleicht darin, dass „du dich nicht hinter einer Maske versteckt hast, weil du einfach du selbst warst, anstatt Dinge zu sagen, die du in Filmen gehört oder in Büchern gelesen hast“, so der 79-Jährige.

 

Wayne Shorter, dessen Tochter 1986 an den Folgen einer angeborenen Hirnerkrankung starb, und dessen Frau zehn Jahre später bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Buddhismus. Im ZEITmagazin sagte Shorter: „Ich sage nicht: Ich bin Buddhist. Ich sage: Ich übe, um einer zu werden. Ich versuche den Menschen in mir zu wecken, der noch schläft.“