Annie Lennox: „Jesus hat mich in den Schatten gestellt“

Die britische Pop-Sängerin Annie Lennox („Sweet Dreams Are Made Of This“, „Here Comes The Rain Again“) wird am 25. Dezember 60 Jahre alt, findet an diesem runden Geburtstag aber nichts Außergewöhnliches.

„Meine Geburtstage waren für mich eigentlich nie etwas Besonderes. Vielleicht mit der Ausnahme, als ich noch ein Kind war. Ich habe nun mal an Weihnachten Geburtstag. Jesus war mir immer einen Tag voraus. Er hat mich immer in den Schatten gestellt (lacht). Da kann ich nicht mithalten“, sagte Annie Lennox der „Welt am Sonntag“, „mein Geburtstag wurde schon immer vom Rest der Welt annektiert. Daran wird sich auch in diesem Jahr nichts ändern. Insofern wird auch mein 60. nicht groß anders sein. Zur Abwechslung werde ich mich an dem Tag vielleicht einfach ganz still auf den Boden legen.“

Lennox wurde als Sängerin des britischen Pop-Duos Eurythmics ein Welt-Star. Kürzlich hat sie die neue Solo-CD „Nostalgie“ veröffentlicht, eine Sammlung mit Jazz-Klassikern. Das Album könnte ihr letztes sein, sagte sie der „Welt am Sonntag“. „Ich komme jetzt in den Herbst meines Lebens. Ich bin nun ja schon mehrere Jahrzehnte auf diesem Planeten. In meinem Alter stellt man sich zwangsläufig die Frage: ,Wie sieht denn das nächste Kapitel aus?’“, sagte die Sängerin der Zeitung, „jeder hat seine eigene Art, damit umzugehen. Ich kann es Ihnen nicht genau sagen. Gut möglich, dass dies mein letztes Album ist. Ich werde es davon abhängig machen, wie ich mich in den nächsten Jahren fühle.“

Lennox äußerte sich auch zu der Aufregung über ein Interviewzitat von ihr, in dem sie US-Pop-Star Beyoncé „Feminismus Lite“ vorgeworfen hatte. „Ich bin immer noch fassungslos, wie sich um ein völlig aus dem Zusammenhang gerissenes Zitat ein derartiger Hype entwickeln konnte. Wenn solche Sätze aus dem Kontext gerissen und dann gegen jemand in Stellung gebracht werden, den ich bewundere, ärgert mich das. So wie es dann in vielen Medien dargestellt wurde, klang es, als würde ich gegen Beyoncé austeilen“, sagte sie der „Welt am Sonntag“, „jedenfalls ist es völliger Unsinn zu glauben, dass ich Beyoncé missachte. Ich bewundere sie. Ich hatte in dem Kontext des Interviews über die Ursprünge des Feminismus gesprochen, über die Aktivistin Eve Ensler und ihr Stück „Die Vagina Monologe“. Auf der nach oben offenen Richterskala des Feminismus ist Ensler so eine Art Superschwergewicht. Sie hat das Fundament gelegt. Ich wollte einen Bogen spannen zu Frauen von heute, Frauen wie Beyoncé. Ich bedauere, dass ich diesen Versuch unternommen habe. Ich wollte sie nicht diskreditieren.“